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NEWS DETAIL

30
Oct
2017


Mercedes-Benz G-Klasse: Ganz grosse Gefühle

Fahrberichte
Nach vielen Evolutionen folgt bald die erste Revolution in der Geschichte der Mercedes-Benz G-Klasse. Wir sind das aktuelle Modell noch einmal ausgefahren! (Text: Johannes Mautner Markhof, Fotos: mmotors)

Es hat etwas herrlich Unbekümmertes, ein Auto der 150.000-Euro-Liga über leicht verschneite Felder driften zu lassen, da und dort über eine kleine Kuppe zu hüpfen und dabei zuzusehen, wie immer mehr Teile am Fahrzeug mit einer Schicht aus Eis und Schnee überzogen werden. Da ein Langläufer, der seinen Hund nicht, aber die G-Klasse aus den Augen verliert, dort das Pensionistenpärchen, das seine Aufmerksamkeit längst nicht mehr den vereisten Ästen, sondern vielmehr der G-Klasse widmet.

In Weiß lackiert und mit schwarzem Dach kombiniert wirkt der aktuelle G-Klasse-Jahrgang geradezu majestätisch, wenn seine schwarzen 19-Zoll-Felgen den Schnee aufwirbeln. Die dicken Kotflügelverbreiterungen, die die gar unelegant breiten Fontänen abfangen, waren ursprünglich den AMG-Modellen vorbehalten, zum 350er-Diesel passen sie nicht nur wegen des Nutzwertes, sondern auch, weil sie der dicken Frontstoßstange etwas von ihrer Wuchtigkeit nehmen und nicht nur Schnee, sondern auch jede Menge Wasser abfangen. Nur wer sich die Mühe macht und einen Blick unter das Auto wagt, erkennt, dass auch die im Vorjahr modifizierte G-Klasse hier im Gegensatz zu allen anderen Luxus-Offroadern noch echte Stahlplatten mit sich rumträgt, die den Unterboden auch im Extremgelände perfekt schützen. Einen stabilen Eindruck vermitteln auch die Starrachsen, der klassische Leiterrahmen ebenso.

Letzte Zweifel an der Stabilität der G-Klasse werden beim Öffnen der Tür ausgeräumt. Erst will der kleine Druckknopf mit militärischer Härte gedrückt werden, dann darf die Tresortür mit voller Kraft an den Körper herange­zogen werden. Lässig sieht das nur bei Arnie aus. Das dicke Trittbrett ermöglicht auch Kleingewachsenen den Zugang zum Innenraum. Bevor die Sitzposition eingestellt werden kann, muss die Tür unter maximalem Kraftaufwand zugezogen werden, versteckt sich doch dort ganz Mercedes-typisch die Steuerung der elektrischen Sitzverstellung, die es zu erreichen gilt. Das komplexe Feintuning zur Erlangung perfekter ergonomischer Bedingungen erfolgt mittels einer eigenen Schalteinheit an der rechten Seite der Sitz­fläche. Elektrisch justierbar ist auch das Lenkrad, wenngleich nur in einem sehr schmalen Bereich. Unerreicht weiterhin die Sitzhöhe, die auch kleine Menschen auf Lieferwagenchauffeure herabblicken lässt. Noch besser sitzt es sich auf der rechten Seite – dicker Haltegriff anstatt des Lenkrades und somit viel zusätzlicher Platz – und kaum schlechter in der zweiten Reihe, in der auch drei Mitglieder einer Rugby-Mannschaft nicht aneinander reiben. Die luftige Innenraumhöhe trägt aber nicht nur zum Wohlbefinden von maximal fünf Personen bei, sie sorgt auch für viel Raum im Gepäckabteil. Wer noch mehr Raum auf weniger als fünf Meter Länge sucht, wird diese nur in Kleinbussen finden.

Zurück am Fahrerplatz sichern sich der leicht gewachsene Bildschirm, die Schalter für die obligaten drei Differenzialsperren und der kleine Bedienhebel für die Automatik die optische Aufmerksamkeit. Das kleine Lenkrad ist multifunktional und wäre da nicht der rote Plastikgriff, der es ermöglicht, die Motorhaube von innen zu öffnen, niemand käme auf die Idee, dass ein militärisches Nutzfahrzeug am Beginn der bald 40-jährigen Evolution der G-Klasse stand.

Mittels Schlüsseldreh erwacht der Sechszylinder-Diesel zum Leben. Zu hören ist davon kaum noch etwas, zu spüren nur dann, wenn das Gaspedal durchgedrückt wird. Dann setzt sich der Diesel-G fast schon sportlich in Bewegung. Gegenüber dem knapp 30 PS schwächeren Vorgängermodell tun sich hier geradezu Welten auf. Sofern keine Kurven lauern, darf die wirklich beeindruckende Beschleunigung bis 150 km/h genossen werden, dann verlangsamt sich die Geschwindigkeitszunahme spürbar, Schluss ist aber erst jenseits der 180 km/h – das reicht, um auch auf der Langstrecke nirgends Zeit liegenzulassen. Vorteile liefert der Neue auch beim Verbrauch – 13 Liter im Alltag sind kein Problem, was einer Verbrauchsersparnis von rund zwei Litern gleichkommt. Während der Komfort durchwegs hoch ist, gilt es auch bei der jüngsten G-Klasse das Lenkrad stets festzuhalten, Kurven rechtzeitig zu erkennen und wegen des leichten Flatterns der Lenkung nicht ständig in die Werkstatt zu fahren. Das ist typisch G und durch spezielle Lenkungsdämpfer nur minimal zu verbessern. Was immer hilft, ist das Tempo zu reduzieren, was Menschen, die es bis in die G-Klasse geschafft haben, einigermaßen leicht gelingen sollte.

Quasi im Gegenzug hat die G-Klasse nichts dagegen einzuwenden, Land­straßen­tempo auch auf Feldwegen und im Ortsgebiet gültige Geschwindig­keiten im extremen Gelände zu fahren. Wie kein anderer Seriengeländewagen inhaliert der G gröbstes Terrain und das nicht nur für ein paar Stunden, sondern bei entsprechender Pflege ein Auto­leben lang. Ein wenig Sorge bereiten hier nur die vielen lackierten Anbauteile, die Kratzer geradezu magisch anziehen. Speziell dann, wenn es mit aktivierter Untersetzung und durch drei Differenzialsperren gesichert durchs Unterholz geht. Top ist das Potenzial der G-Klasse auch, wenn es darum geht, bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger zu schleppen. Technisch erklärt sich dies durch den steifen Leiterrahmen, die nur knapp hinter der Hinterachse platzierte Anhängerkupplung und das hohe Gewicht der G-Klasse.

Zurück beim Schneewalzer wird klar, dass es sich hierbei vermutlich um einen der letzten Tänze mit dieser Offroad-Ikone, die auch gerne mal die Diva markiert, handeln wird. Eine komplett neue G-Klasse steht nämlich schon in den Startlöchern und wird voraussichtlich ab Anfang 2018 im Handel sein. Sie wird dem aktuellen Modell zweifellos recht ähnlich sehen und vermutlich auch in Graz gebaut werden, das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Sofern die Buschtrommeln nicht lügen, wird die neue G-Klasse breiter, stärker, leichter und natürlich sparsamer. Insider wissen, dass die aktuelle Basis für so viel Veränderung nicht zur Verfügung steht, wodurch von einer neuen Basis, vermutlich ohne Leiterrahmen, drei Differenzialsperren und vorderer Starrachse, dafür aber mit neuer Lenkung und jeder Menge Elektronik ausgegangen werden kann. Die deutsche „Auto Bild“ berichtet gar davon, dass die neue G-Klasse bis Tempo 130 auf den Eingriff des Fahrers verzichten kann, um das anhand der aktuellen G-Klasse zu realisieren, bräuchte es ein anderes Fahrzeug, auf der sie transportiert wird. Viele unter uns werden die komplett neue G-Klasse großartig finden, alle anderen sollten, sofern möglich, all ihr Erspartes zusammenkratzen und sich noch ganz schnell das Original sichern. Ab 10.000 Euro finden sich bereits nicht völlig aussichtslose Bastelbuden, ab 25.000 Euro in Würde gealterte Modelle und ab 50.000 Euro Exponate, die dem Alltag voll gewachsen sind. Viel Erfolg. 








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